Zuerst beschimpft, dann gefeiert: Das Amalienbad wird 100!
Vor 100 Jahren - am 8. Juli 1926 - öffnet das Amalienbad zum ersten Mal seine Tore. 1.300 Badegäste konnte das Hallenbad im 10. Bezirk fassen. Das Rote Wien krönte sich mit dem Monument am Reumannplatz zur “Bäderhauptstadt” Europas - gut fanden das anfangs nicht alle. Aber schon bald wird Körperhygiene und Schwimmsport fixer Bestandteil im Alltag der Wiener Arbeiterschaft.
Wer ins Foyer eintritt, erblickt bunte Mosaiksteine, eine helle Schwimmhalle mit Glasdach, eine Galerie mit Umkleiden in dunkelbraunem Holz, türkis glitzerndes Nass und einen Ort, der nach 100 Jahren noch zahlreiche begeisterte Badegäste anlockt. Das Schwimmbad im Art-Déco-Stil wurde anfangs beschimpft, schon bald fungierte es aber als wichtiges Gegenangebot zu Wirtshauskultur und Alkoholkonsum. Heute ist es aus Wien nicht mehr wegzudenken. Aber wie hat eigentlich alles begonnen?
Wien als Bädermetropole: Vorsprung ins kalte Wasser
Anfang des 20. Jahrhunderts zählt die Hauptstadt mehr als zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Die Wohn- und Hygienebedingungen in Wien sind miserabel. Eine Lösung muss her. Deshalb beschließt der Wiener Gemeinderat im Jahr 1919 mehrere städtische Badeanstalten zu bauen - 20 an der Zahl. Darunter auch kleinere “Tröpferlbäder”, die nur für die schnelle Dusche herhalten sollen, denn viele Wohnungen hatten zu dieser Zeit noch kein eigenes Badezimmer.
Das Wahrzeichen und wichtigste „Monument der Bäder- und Arbeiterkultur im Roten Wien“ wird das Amalienbad. Bis heute thront es weiß leuchtend über dem Reumannplatz in Favoriten.
Ein Bad mit Geschichte und Zukunft!
Drei Jahre hat die Bauphase gedauert, von 1923 bis 1926, dann stand der “Badepalast, den keiner brauchte”, wie Kritiker das Amalienbad anfangs noch verschmähten. Doch schon bald wurde es ein fixer Bestandteil für die Arbeiterinnen und Arbeiter der Stadt und für unzählige Badegäste. Nicht nur bot die Anlage Platz für bis zu 1.300 Besucher:innen. Die Architekten lehnten es an den Grundrissen römischer Thermen an. So gab es neben dem großen Schwimmbecken auch Dampf-, Heißluft- und medizinische Bäder (auch Schlamm-, Sole-, Gas- und elektrische Bäder waren en vogue).
Ein paar Renovierungen hat das Bad mittlerweile in den Gemäuern. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg gab es viel zu erneuern. So manche wertvollen architektonischen Elemente waren für immer zerstört. Doch über die Jahre wurde es modernisiert, in den 1980er-Jahren kam eine Trainingshalle hinzu und in den frühen 2020er-Jahren wurde es nochmals saniert und modernisiert.
3,5 Millionen Badegäste nutzen die Badeanstalten der Stadt Wien
Und das freut die Besucherinnen und Besucher. Etwa 3,5 Millionen Badegeäste verzeichnen alle Bäder der Stadt Wien zusammengerechnet pro Jahr. Was viele der Schwimm- und Saunagäste bis heute nicht wissen, ist die Herkunft des Namens des Amalienbades. Der Tod der Favoritner Gemeinderätin Amalie Pölzer fällt in die Zeit der Errichtung. Sie war eine der ersten weiblichen Politikerinnen in Österreich und die erste Favoritnerin im Wiener Gemeinderat. Und so wurde das Amalienbad nach ihr benannt, die von vielen liebevoll als “Bezirksmutter Malli” bezeichnet wurde.
Und Heute? Wird gefeiert!
Am 8. Juli heißt es dann feiern: Wer sich darauf besonders freut, ist der Ur-ur-Enkel von Amalie Pölzer, Adrian Dorfmeister-Pölzer. Der studierte Balletttänzer und Bezirkspolitiker in der Leopoldstadt hat sich in den letzten Jahren besonders mit seiner Familiengeschichte und vor allem mit der Favoritner Bezirksmutter “Malli” Pölzer befasst.
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens veranstaltet der Kulturverein “Mitten in Favoriten” vor dem Amalienbad eine große Feier! Adrian Dorfmeister-Pölzer wird eine Tanzperformance vorführen und zusätzlich gibt es historische Rückblicke, DJ-Livemusik und viel Feierlaune.
Am 08. Juli von 17.00 - 20:00 vor dem Amalienbad.
Kommen Sie, kommen Sie oder besser: Schwimmen Sie, schwimmen Sie! ;